Gesundheitliche Effekte von Phantasiereisen

 

Worum geht es in dieser Lektion?

 

Dass Phantasiereisen alles andere sind als “Wohlfühlgeschichten” und handfeste positive Effekte für die Gesundheit bringen können, belegen vor allem Untersuchungen aus England und den Vereinigten Staaten, aus Australien, den skandinavischen Ländern und Israel. Wir haben hier für dich ein paar der wichtigsten Studienergebnisse zusammengetragen. Mit diesen Argumenten kannst du selbst handfeste Skeptiker davon überzeugen, dass Phantasiereisen einen enormen Beitrag zur Gesundheit und zur Genesung leisten können.

 
 

Immunstärkung: Phantasiereisen in der Krebstherapie

 

Eine 2008 von Forschern der United Lincolnshire Hospitals und des Queen’s Medical Centre (England) durchgeführte Studie befasste sich mit den Effekten von Entspannungstraining und Phantasiereisen auf 80 Patientinnen mit Brustkrebs in fortgeschrittenen Stadien. Die Phantasiereisen wurden begleitend zu Chemotherapie, Operationen, Strahlen- und Hormontherapie eingesetzt, die Patientinnen führten Tagebuch über die Häufigkeit ihrer Übungen und über die Deutlichkeit ihrer Vorstellungsbilder.
 

Der Vergleich mit einer Kontrollgruppe, die die gleichen Therapiemaßnahmen ohne Phantasiereisen und Entspannungstraining erhielt, zeigte deutliche Unterschiede im Blutbild:
 

Bei der Entspannungsgruppe hatte sich die Zahl bestimmter Immunzellen (reife T-Zellen, aktivierte T-Zellen, lymphokin-aktivierte Killerzellen) im Vergleich zur Kontrollgruppe deutlich erhöht. Bei Patientinnen, die oft übten und eine deutliche Vorstellung erreichten, wurde eine erhöhte Aktivität natürlicher Killerzellen nachgewiesen, bei häufigem Üben eine höhere Anzahl von T-Helferzellen.
 
Die Forscher schließen daraus, dass das Anhören von Phantasiereisen während und nach einer multimodalen medizinischen Krebsbehandlung mutmaßliche Krebs-Abwehrmechanismen positiv beeinflusst.
 

Studie: Eremin, O./Walker, M.B. u.a.: Immuno-modulatory effects of relaxation training and guided imagery in women with locally advanced breast cancer undergoing multimodality therapy: A randomised controlled trial, in: Breast, 11. November 2008
 

Ebenfalls aus dem Jahr 2008 stammt eine sogenannte Meta-Studie – also eine Studie, die eine Anzahl von Studien zu einem Thema auswertet und den Forschungsstand zusammenfassend wiedergibt – des Institute of Transpersonal Psychology in Palo Alto (Kalifornien, USA), veröffentlicht im International Journal of Neuroscience. Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass Phantasiereisen

  • nachweislich Stress reduzieren und das Immunsystem aktivieren,
  • die Anzahl von Abwehrzellen im Blut erhöhen.

Artikel: Trakhtenberg, E.C.: The effects of guided imagery on the immune system: A critical review, in: International Journal of Neuroscience Nr. 6, Juni 2008, S.839 – 855.
 
 

Imaginatives Bewegungstraining: Phantasiereisen in der Schlaganfallrehabilitation

 
In einer Studie des Wingate-Instituts in Netanya (Israel) nahmen Patienten, die nach einem Schlaganfall unter einer dauerhaften Halbseitenlähmung litten, an einem zuhause durchgeführten Phantasiereise-Bewegungstraining teil. Der Schlaganfall lag jeweils mehr als 3 Monate zurück, geübt wurde dreimal pro Woche für jeweils 15 Minuten über einen Zeitraum von sechs Wochen. Zu Beginn, zweimal im Verlauf des Trainings und 3 Wochen nach dem Training wurden Gehfähigkeits-Test gemacht, um Veränderungen zu dokumentieren.
 

Das Gehtempo besserte sich um durchschittlich 40 Prozent, wobei die Effekte größtenteils nach dem Ende der Übungszeit eintraten. Die Schrittlänge und die Verweildauer auf dem gelähmten Bein nahmen signifikant zu. 64 Prozent der Teilnehmer wurden nach dem Testzeitraum in eine höhere Kategorie des MFWC-Index (Modified Functional Walking Categories Index) eingestuft. Die Studie stellt abschließend fest, dass ein zuhause durchgeführtes mentales Bewegungstraining geeignet ist, die Gehfähigkeit nach einer Halbseitenlähmung durch Schlaganfall positiv zu beeinflussen.
 
Studie:Dunsky, A./Dickstein, R u.a.: Home-based motor imagery training for gait rehabilitation of people with chronic poststroke hemiparesis, in: Archives of Physical Medicine & rehabilitation Nr. 8, August 2008, S. 1580 ff.
 
 

Mit Phantasiereisen gegen Schmerzen

 
In vielen US-amerikanischen Kliniken werden Phantasiereiseprogramme inzwischen eingesetzt, um postoperative Schmerzen (und den damit verbundenen Schmerzmittelverbrauch) zu reduzieren und kürzere stationäre Verweilzeiten zu erreichen. Zwei Studien zum Thema Schmerz zeigen, dass sie auch bei Spannungskopfschmerzen und chronischen Fibromyalgieschmerzen positive Effekte bringen können:
 
Das Adelman Headache Center in Greensboro (North Carolina, USA) untersuchte 1999 die Auswirkungen von Phantasiereisen an 250 Patienten mit Spannungskopfschmerz begleitend zur medizinischen Behandlung. Die Phantasiereise wurde zuhause täglich über einen Zeitraum von einem Monat angehört. Die Studie zeigte, dass ein wesentlich größerer Anteil von Probanden in der Phantasiereise-Gruppe (21,7 %) über eine Besserung ihrer Kopfschmerzen berichtete als in der Gruppe ohne Phantasiereisen (7,6 %).
 
Artikel: Mannix, L.K./Chandurkar, R.S. u.a.: Effects of guided imagery on quality of life for patients with chronic tension-type headache, in: Headache Nr. 39 (5/1999), S. 326-334
 
Eine norwegische Untersuchung beschäftigte sich mit der Frage, ob sich chronische Schmerzen besser durch ablenkende oder auf die Schmerzkontrollsysteme des Gehirns fokussierende Phantasiereisen mitbehandeln lassen. Die Probandinnen waren 55 Frauen, die an Fibromyalgieschmerzen litten (eine chronische Schmerzerkrankung, die mit Müdigkeit und Schlafstörungen verbunden ist). Die Phantasiereisen wurden begleitend zu einer medikamentösen Behandlung mit Amitriptylin angeboten, einem antidepressiv und angstlösend wirkenden Mittel, das häufig in der Therapie der Fibromyalgie eingesetzt wird. Einem Teil der Patientinnen wurde ein Placebo verabreicht, so dass sie nicht wussten, ob sie eine medikamentöse Behandlung erhielten oder nicht.
 
Die Patientinnen führten über einen Zeitraum von 4 Wochen Tagebuch über Schmerzstärke und -häufigkeit. Die Ergebnisse waren ausgesprochen deutlich:

  • Die Gruppe, die angenehme, vom Schmerz ablenkende Phantasiereisen anhörte, zeigte die deutlichste Besserung gegenüber einer Kontrollgruppe, die die Standardbehandlung erhielt.
  • Die Gruppe, die Phantasiereisen anhörte, die interne Schmerzkontrollsysteme thematisierte, zeigte keine Unterschiede gegenüber der Kontrollgruppe.
  • Die Gruppe, die Amitriptylin erhielt, zeigte keine signifikanten Unterschiede gegenüber der Placebo-Gruppe.

 
Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass angenehme Vorstellungsbilder, die die Aufmerksamkeit vom Schmerzgeschehen abziehen, ein effektives Verfahren sind, um Fibromyalgieschmerzen in einem Testzeitraum von 28 Tagen zu reduzieren – wirkungsvoller als Amitriptylin.
 
Artikel: Fors, E.A./Sexton, H./Gotestam, K.G.: The effect of guided imagery and amitriptyline on daily fibromyalgia pain; a prospective, randomized, controlled trial, in: Journal of Psychiatry Research 36 (3), Mai/Juni 2002, S. 179 – 187.
 

Die Beispiele stammen von der Homepage der US-amerikanischen Psychotherapeutin Belleruth Naparstek (www.belleruthnaparstek.com) – eine unschätzbare Fundgrube, was wissenschaftliche Untersuchungen von Entspannungsverfahren und ihren Wirkungen angeht. Auf ihrer Website findest du eine Fülle von Informationen zu diesem Themenkreis.
 
 

Die wichtigsten Informationen aus dieser Lektion:

 

  • Phantasiereisen können bei einer Vielzahl von Erkrankungen messbare gesundheitliche Verbesserungen fördern.
  • Dabei werden sie nicht als einziges Behandlungsverfahren, sondern begleitend zur Therapie eingesetzt, um die Therapieeffekte zu steigern.
  • Nachweislich kann das Anhören von Phantasiereisen zu einer Stärkung und Aktivierung des Immunsystems beitragen.
  • Das Anhören von Phantasiereisen kann die Anzahl der Abwehrzellen im Blut erhöhen und ihre Aktivität steigern.
  • Imaginative Bewegungsprogramme können bei Lähmungen die Wirksamkeit der Rehabilitationsmaßnahmen steigern, zum Beispiel nach Schlaganfällen.
  • Auch in der Schmerztherapie lassen sich die positiven Effekte einer medizinischen Behandlung durch Phantasiereisen steigern.
  • Angenehme Vorstellungsbilder, die vom Schmerzgeschehen ablenken, können helfen, chronischen Schmerz zu reduzieren.

 
 

Was dich in der nächsten Lektion erwartet

 

In der nächsten Lektion erfährst du, bei welchen Aufgabenstellungen Phantasiereisen gut eingesetzt werden können (Indikationen) und in welchen Situationen beziehungsweise bei welchen Erkrankungen du sie auf keinen Fall einsetzen darfst (Kontraindikationen).

 

Hier geht es weiter: Indikationen und Kontraindikationen bei Phantasiereisen

 

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